Eisvogel (Alcedo atthis)

Der Eisvogel wurde vom Deutschen Naturschutzbund zum Vogel des Jahres 2009 erklärt. Mit seinem glänzendleuchtenden Gefieder ist er leicht zu erkennen. Sein bevorzugter Lebensraum sind naturnahe Bäche und Flüsse, in deren klaren Wasser er auf Fischfang geht. In den unverbauten Uferhängen werden die Bruthöhlen in die Steilwänden gebaut, manchmal werden auch umgestürzte Bäume oder aufragende Wurzeln verwendet.

EisvogelDer Eisvogel ist die einzige bei uns in Mitteleuropa heimische Art der Familie Eisvögel (Alcedinidae). Er kommt in weiten Teilen Europas, Asien und westliches Nordafrika vor. Der Lebensraum sind mäßg schnellfließenden oder stehende klare Gewässer mit Kleinfischen und Sitzwarten für die Jagd. Neben Fischen nimmt er aber auch Wasserinsekten (sowohl Imagines als auch Larven), Kleinkrebse und Kaulquappen zu sich. In Europa gilt der Bestand als dezimiert, aber auf das gesamte Verbreitungsgebiet gesehen als wenig bedroht eingestuft.

Wie alle Vertreter der Gattung Eisvögel ist sein Körper gedungen und kurz, mit kurzen Beinen und Schwanzfedern, aber breiten Flügeln. Der Kopf mit dem ca. 4cm langen und spitzen Schnabel sitzt auf einem kurzen Hals. Je nach Lichteinfall leuchten die Federn an Flügeln und Rücken kobaltblau bis türkisfarben, während die Brust in einem orange leuchtet. Die Kopffedern zeigen azurblauen Bänder und haben die gleiche Färbung wie die Flügel bis auf die orangenen Ohrdecken. Interessant ist, daß die Füße zur Brutzeit orangerot gefäbt sind.

Die Unterscheidung der Geschlechter kann an der Schnabelfarbe gemacht werden: die Männchen haben einen schwarzen Schnabel, dessen Unterseite leicht aufgehellt sein kann, während die Weibchen einen orangefarbenen Unterschnabel zeigen. Die Oberseite des Gefieders ist beim Männchen eher blau, mit azurblauen Flecken auf dem Oberkopf, gefärbt, während das Weibchen hier eher blaugrün ist.

Die Flügelspannweite beträgt etwa 25 cm, die Körperlänge zwischen 16 und 18 cm und das Gewicht liegt bei etwa 35 bis 40 Gramm.

Der Eisvogel verwendet die Jagdmethode des Stoßtauchens. Von einer Sitzwarte am Fluß späht er nach seiner Beute. Sieht er diese, stürzt er sich kopfüber ins Wasser und beschleunigt dabei meist mit kurzen Flügelschlägen. Die Augen bleiben beim Eintauchen offen und werden durch das Vorziehen der Nickhaut geschützt. Kurz vor dem Ergreifen der Beute wird der Körper durch ausgebreitete Flügel und Beine abgebremst. Aus dem Wasser steigt er mit dem Nacken zuerst heraus, während er den Kopf an die Brust gepresst hält. Mit einem Ruck wird der Schnabel mit der Beute aus dem Wasser gerissen und meist die Sitzwarte angeflogen. Der Vorgang dauert nicht länger als zwei bis drei Sekunden.

Sollte eine Sitzwarte fehlen, kann er auch aus einem kurzen Rüttelflug heraus tauchen, aber diese Methode verbraucht sehr viel Energie.

Kleine Beute wird meist mit kräftigen Schnabeldrücken sofort verschluckt, größere Beute wie Fische mit bis zu 9 Zentimetern Länge wird auf auf einem dicken Ast tot geschüttelt und dann mit dem Kopf voran verschluckt. Unverdauliches wird ein bis zwei Stunden später als Gewölle herausgewürgt.

Die Brutzeit ist im Februar und März. Die Rufe des balzenden Männchens ist da deutlich zu hören. Nur bei einer hohen Dichte von Eisvögeln, leben die Männchen in Bigamie, ansonsten ist es eine monogame Brutehe. Zur Balz bringt das Männchen dem Weibchen kleine Fische und überreicht sie dieser mit einer Verbeugung, die diese rufend und mit zitternden Flügeln entgegennimmt. Die Paarbindung wird dadurch gestäkt und dient der Beurteilung des Partners. Während der Bauzeit der Höhle wird sehr oft gefüttert und gegen Ende findet die Kopulation statt.

Sobald das Männchen zur Paarung bereit ist, nimmt es nach der Futterübergabe eine Imponierstellung ein, indem es aufrecht sitzend das Gefieder angelegt wird und die Flügel nach vorne sinken läßt. Das Weibchen gibt seine Bereitschaft durch Rufe kund und legt sich fast waagerecht auf den Ast. Das Männchen fliegt hinter das Weibchen und auf dessen Rücken. Um das Gleichgewicht zu halten, greift das Männchen in die Kopffedern des Weibchens und hält mit den Flügeln während der Begattung das Gleichgewicht. Danach nehmen beide ein Bad.

Die Bruthöhle wird in einer lotrechten oder nach vorn geneigten Steilwand des Ufers aus Lehm oder festem Sand gebaut. Dabei ist es wichtig, daß im oberen Abschnitt, in dem gebaut wird, möglichst wenig Wurzeln vorhanden sind und unbewachsen ist. Die Nisthöhle steigt nach hinten an und endet in einem Kessel.

Am Anfang des Nestbaus sitzen die Altvögel vor der Steilwand. Das Männchen beginnt meist, indem es vor einer Stelle rüttelt, hineinhackt und zurückfliegt, um den Schnabel von der Erde zu säubern. Nach kurzer Zeit schließt sich das Weibchen an und testet ebenfalls verschiedene Stellen, bis sie sich geeinigt haben und sie das Loch vergrößern. Sobald sie einen Halt für ihre Krallen finden, kann mehrmals zugehackt werden und der Röhrenbau schreitet voran. Anfallende Erde wird mit den Füßen nach hinten gescharrt. Der Partner hält während des Baus Wache, wobei sie sich aber bei dem Bau abwechseln. Erst wenn der Kessel begonnen wurde, kann sich der Vogel drehen und dann mit dem Kopf voran aus der Höhle kommen.

Sobald die Bruthöhle beendet ist (meist Ende März, Anfang April), wird diese mit weißen Kotspritzern markiert, damit sich kein anderes Paar darin festsetzt. Es werden, nach einer Säuberung, auch alte Bruthöhlen wiederverwendet oder begonnene, aber aufgegebene Röhren, beendet.

Sobald die Eiablage beginnt, wird täglich vormittags ein Ei gelegt. Die weißen Eier sind glatt, fast rund und 4,4 Gramm, wobei sie in den ersten Tagen ein zartes Rosa zeigen bis sie sich die Oberfläche in porzellanweiß färbt. Nur ab und zu sitzt einer der Altvögel neben dem unvollständigen Gelege.


In Mitteleuropa legt das Weibchen meist zwischen sechs und acht Eiern, die dann im Wechsel mit dem Männchen bebrütet wird, sobald das Gelege vollständig ist. Nachts sitzt meist das Weibchen auf den Eiern. Da die Röhre und der Kessel so eng sind, ruft die Brutablösung vor dem Eingang und kann dann hinein, sobald der Partner die Höhle verlassen hat. Nach etwa 19 bis 21 Tagen Brutzeit schlüpfen die Jungen vorwiegend am selben Tag. Die Eierschalen bleiben oft am Eingang des Brutkessels oder in der Höhle liegen, seltener werden sie aus der Höhle entfernt.

Schlecht angelegte Nisthöhlen können von Tieren wie Füchsen, Wieseln, Waschbären, Ratten, Mäusen und Maulwürfen, ausgeraubt werden. Dabei werden nicht nur die Eier und jüngere Jungvögel sondern auch der hudernde oder brütende Altvogel gefressen. Auch eine mehrstündige Störung durch den Menschen kann eine Brut zerstören, da die Altvögel es nicht wagen, nochmal in die Röhre zu schlüpfen.

Nackt und blind kommen die Jungen nach dem Schlüpfen zur Welt und werden von einem der Altvögel gehudert, während der andere mit Fütterung mit Insekten, später mit Fischen von vier bis fünf Zentimetern, beginnt. Die ersten bläulichen Federkiele sind nach acht Tagen zu erkennen, am zehnten Tag öffnen sie die Augen. Ab nun wird nur noch nachts gehudert. Nach vierzehn Tagen nach dem Schlüpfen sind die Jungen befiedert, wenn auch die Federn noch von einer durchscheinenden Hülle umgeben sind. Nach drei Wochen sind die Federn von den Hüllen befreit.

Die erste Brut des Jahres fliegt Ende Mai bis Mitte Juni nach 23 bis 28 Tage nach dem Schlüpfen mit einem Gewicht von 42 Gramm. Aus eigenem Antrieb verlassen die Jungvögel meist am frühen Morgen oder am Vormittag und meist auch alle am denselben Tag. Danach halten sie sich nahe der Bruthöhle auf Sitzplätzen auf, die meist im dichten schattigen Geäst liegen. Die weitere Versorgung der Jungvögel erfolgt mit Fischen, wobei hier das Männchen mehr füttert als das Weibchen. Stückweise führen sie die jungen Tiere von der Höhle weg. Diese lernen das Fischen und sobald sie sich selbst versorgen können, werden sie mit lauten Rufen der Altvögeln aus deren Revier vertrieben. Auf der nun folgenden Wanderung nach einem eigenen Revier, werden sie von Sperbern, Habicht und Waldkauz bedroht.

Eine zweite Brut im Juni bis Juli unterscheidet sich im wesentlichen nicht von der ersten. So fliegen die Jungvögel der zweiten Brut von Mitte Juli bis Anfang August aus, die dritte Brut wird Ende August bis Ende September flügge. Sehr selten gibt es Viertbruten, die dann im Oktober ausfliegen.

Populationsstudien ergaben, daß die Sterblichkeitsrate der Eisvögel recht hoch ist. Ungefähr 80% der Jungvögel sterben zwischen dem Verlassen der Bruthöhle und der folgenden Brutsaison, während etwa 70% der Altvögel im Verlaufe eines Jahres sterben. Nur wenige Vögel werden drei Jahre, selten fünf Jahre. Dem gegenüber steht die hohe jährliche Reproduktionsrate von zwei bis drei Bruten pro Jahr.

Altvögel bleiben meist auch außerhalb der Brutsaison in ihrem Revier, während die Jungvögel auf der Suche nach einem geeigneten Gebiet vom Juli bis Oktober unterwegs sind. Dabei können sie Entfernungen von bis zu 1000 Kilometern zurücklegen. Dabei achten die Tiere auf das Gewässer und die Umgebung und ob es sich als Brutrevier eignet. Ab November legen sie auf die 40 Gramm Körpergewicht noch zwischen vier bis sechs Gramm zu.

Eisvögel sind standorttreu und tagaktiv. Oft sitzt er auf einem niedrig über dem Wasser hängenden Ast. Treffen zwei Individuen aufeinander, wird zunächst gedroht. Dabei wird das Kleingefieder angelegt, die Flügel sacken nach vorne und sitzt hoch aufgerichtet. Dabei wird auch der Schnabel geöffnet, die Kehlfedern eng angelegt und zur Verstärkung der Drohgebärde verbeugt sich vor dem Gegner, wobei der Kopf einen vertikalen Kreisbogen beschreibt oder langsam von einer Seite zur anderen gedreht wird. Die Ausbreitung der Flügel und sich zeigen in voller Größe ist die stärkste Drohung.

Steif und dünn im Profil sitzen sich die beiden bei einem Drohduell gegenüber, manchmal unterbrochen durch kurze Verfolgungsflüge mit erregten Rufen. Dies kann mehrere über mehrere Stunden hinweg gehen, wobei offensichtliche Gefahren in der Zeit nicht bemerkt werden. Bei den Duellen werden Ausdauer, Kraft und Belastbarkeit getestet und endet mit der Kapitulation des schwächeren Vogels.

Reicht das Drohen nicht, kommt es zu einem Kampf. Hier versuchen die beiden Gegner sich gegenseitig vom Ansitz zu stoßen oder in den Nacken des anderen zu beißen. Die meisten Kämpfe enden ohne ernsthafte Verletzungen und am Ende flieht der Verlierer, während der Sieger zurückbleibt.

Jungvögel aus früheren Bruten des gleichen Jahres kehren oft zu den Eltern zurück und können sich teilweise an der Fütterung beteiligen. Sofern ein fremdes Paar die Höhle übernommen hat, werden die Jungvögel entweder energisch verjagt oder ignoriert und geduldet. Ist das Nahrungsangebot ausreichend, kann es sein, daß mehrere Eisvögel sich außerhalb der Brutzeit im der gleichen Steilwand aufhalten.

Wird ein Eisvogel von einem Greifvogel verfolgt, kann er oft dadurch entkommen, daß er flach rufend über das Wasser fliegt und im vollen Flug einen Tauchstoß macht, so daß der den Krallen entkommen kann.

Bestandsentwicklung

Die Populationen des Eisvogels in Europa machen weniger als die Hälfte des weltweiten Bestandes aus. Nach Angaben der IUCN ist diese mit weniger als 160.000 Paaren relativ klein und nahm zwischen 1970 und 1990 mäßig ab. Obwohl die Art zwischen 1990 und 2000 grundsätzlich weitgehend stabil war und stabilen, fluktuierenden oder steigenden Trends in großen Teilen Europas unterliegt, gilt die Population als noch nicht erholt, da sie die Stufe vor dem Schwinden noch nicht erreicht hat. Konsequenterweise wird sie vorläufig in Europa als dezimiert (Depleted)[2] und im gesamten Verbreitungsgebiet als wenig bedroht (LC)[3] geführt.

Der Eisvogel ist gemäß §10 Abs. 2 Nr. 5 und Nr. 11 BNatSchG eine in Deutschland streng geschützte Art. Der Eisvogel ist 2009 zum zweiten Mal nach 1973 Vogel des Jahres in Deutschland und war 2006 Vogel des Jahres in der Schweiz.

Gefährdung und Schutz

Die Größe des Brutbestands wird wesentlich von der Winterstrenge bestimmt. Harte Winter mit länger andauernden Kälteeinbrüchen können regional zu drastischen Bestandseinbrüchen (bis zu 90 Prozent) führen, da die meisten Fischgewässer zufrieren und an eisfreien Gewässern Eisperlen zum Verlust der Flugfähigkeit oder zum Anfrieren auf dem Ansitz führen können. Durch die hohe Fortpflanzungsrate des Eisvogels können Verluste der Bestandsdichte innerhalb weniger Jahre wieder geschlossen werden.

Früher wurde der Eisvogel von Binnenfischern stark bejagt. Im 19. Jahrhundert etwa, galten die Federn als begehrter Schmuck für Damenhüte. Auch zur Herstellung von künstlichen Fliegen für Angler wurden tausende Vögel getötet. Heute ist er durch die Vernichtung seines Lebensraums bedrängt, da fast alle europäischen Flüsse und auch Bäche in der Vergangenheit ausgebaut oder reguliert, die Tümpel zugeschüttet und die Feuchtgebiete trocken gelegt wurden. Durch diese Maßnahmen hat sich das Nahrungsangebot sowie die Zahl der Ansitze und ruhigen Buchten verringert. Zudem verhindern abgeschrägte, befestige Böschungen die Entstehung von Uferabbrüchen. Vereinzelte Renaturierung hat daran nichts Wesentliches geändert. Auch verschmutztes und saures Wasser entzieht dem Eisvogel die Nahrungsgrundlage. Die zur Beseitigung des Brutplatzmangels vom Menschen geschaffenen künstlichen Steilwände, teilweise auch mit künstlichen Bruthöhlen, wurden erfolgreich angenommen. Der Erhalt naturnaher, von künstlichen Eingriffen unabhängiger Fluss- und Bachlandschaften stellt das wichtigste Kriterium für den Schutz des Eisvogels dar, so dass er bei Naturschutzorganisationen als Stellvertreter für die weniger bekannten Arten dieses Lebensraums steht. Der NABU wählte den Eisvogel zum Vogel des Jahres 2009.

Das Logo des Naturschutzverbandes Landesbund für Vogelschutz in Bayern e. V. zeigt ein Exemplar mit ausgebreiteten Schwingen.

Eisvogel und Mensch

Etymologie und Benennung

Im Jahr 1758 bezeichnete Carl von Linné© den Eisvogel als Alcedo ispida. Der lateinische Name Alcedo ist abgeleitet vom griechischen Halkyon, was so viel wie "die auf dem Meer Brütende" bedeuten kann. Die genaue Namensherkunft wird in der griechischen Mythologie beschrieben: Die um ihren Gemahl Keyx trauernde Alkyone und er selbst waren nach ihrem Tod von einem barmherzigen Gott in Eisvögel verwandelt worden. Jeden Winter trägt nun die Eisvogelhenne ihren toten Partner zu Grabe. Danach baut die Henne ein Nest, das sie auf den Wellen treiben lässt. Hinein legt sie die Eier und brütet ihre Küken aus. Nestbau und Brüten geschieht in den halkyonischen Tagen, das sind die je sieben windarmen Tage vor und nach der Wintersonnenwende.

Zur Herkunft des deutschen Namens gibt es mehrere Theorien. So lässt sich der Name wahrscheinlich vom altdeutschen "eisan" ableiten, was "schillern" oder "glänzen" bedeutet und auf das glänzend-farbige Gefieder des Vogels bezogen ist. Wenige Autoren beziehen den Namen tatsächlich auf das Eis, indem sie einen Bezug zu seinem Aufenthalt an zugefrorenen Gewässern, dem Abeisen oder zu toten Tieren im Eis herstellen. Andere beziehen sich auf die "eisblauen" Rückenfedern oder seine leichtere Auffindbarkeit bei Eis und Schnee. Zuletzt gehen einige Autoren davon aus, dass der Name ursprünglich "Eisenvogel" bedeutet haben sollte, da die Rückenfedern des Vogels stahlblau oder die Unterseite rostrot gefärbt sei.

Früher waren einige Synonyme, die heute selten benutzt werden, in Gebrauch: Uferspecht, Wasserspecht, Blauspecht, Wasserhähnlein, Königsfischer. In englischsprachigen Ländern heißt er "Kingfisher" und bei den Schweden "Kungsfiskare". Als weiterer Name wird die Bezeichnung Sankt-Martins-Vogel oder Martinsfischer in Frankreich, Spanien und Italien verwendet.

Mythologie, Sage und Aberglaube

Die alten Griechen und Römer gingen tatsächlich von einem auf dem offenen Meer schwimmenden Nest aus. Plutarch dachte, es bestünde aus ineinander verflochtenen, kleinen Fischgräten und Plinius der Ältere berichtet in seiner Naturalis historia um 70 nach Christus von einem schwammähnlichen, nicht durch Eisen zerschlagbaren Nest. Selbst noch im 19. Jahrhundert hielt man die halkyonischen Tage für die Brutzeit des Eisvogels.

Auf Grund der griechischen Sage um Keyx und Alkyone überdauerte der Glaube an die Gattenliebe und die Treue des Eisvogels bis mindestens ins 19. Jahrhundert hinein. So ging der Naturforscher Conrad Gesner 1669 davon aus, dass das Weibchen beim Tod des Männchens einen Trauergesang anstimmen würde. Er soll Macht und Reichtum, Frieden und Schönheit verheißen. Zudem gilt er als Glücksbringer. Zuletzt soll er den Fischern reichen Fang und den Schiffern eine gute Reise ermöglichen.

Nach einer französischen Sage wurde der damals noch grau gefärbte Eisvogel von Noah der Taube nachgeschickt. Er sollte erkunden, ob sich die Wasser der Sintflut zurückgezogen hätten. Da er auf seinem Flug einem Sturm ausweichen musste, flog er so hoch, dass die Oberseite die Farbe des Himmels annahm und die Unterseite von der Sonne rot gebrannt wurde. Als der Bote Bericht erstatten wollte, konnte er die Arche nicht mehr finden, so dass er heute die Gewässer nach Noah suchend abstreift.

Im Aberglauben wurden Talismane von Eisvogelfedern und -bälgen gegen Blitzschlag eingesetzt. Das am Hals getragene getrocknete Herz sollte vor Gift und schwerer Not schützen. Mumifizierte Vögel dienten als Mittel zur Mottenabwehr und an einem Faden aufgehängt auch als Kompass und Wetterfahne. Sich widersprechenden Theorien zufolge sollte der Schnabel immer nach Norden oder in Windrichtung zeigen. Paracelsus nahm an, dass der Eisvogel nach seinem Tod nicht verfaule, so dass der Naturforscher Balthasar Sprenger 1753 einen bestätigenden Artikel darüber abfasste.